Wer über Ergonomie im Büro spricht, denkt meist zuerst an den Bürostuhl. Das ist nachvollziehbar: Er begleitet uns über viele Stunden und beeinflusst unmittelbar, wie wir sitzen. Doch ein ergonomischer Arbeitsplatz besteht nicht aus einem einzelnen Möbelstück.
Selbst ein hochwertiger Bürostuhl kann Fehlbelastungen nicht vollständig ausgleichen, wenn der Schreibtisch zu hoch ist, der Bildschirm seitlich steht oder Maus und Tastatur ungünstig positioniert sind. Hinzu kommen langes Sitzen, fehlende Bewegung sowie Einflüsse wie Licht, Akustik und Arbeitsstress.
Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel des gesamten Arbeitsplatzes.
1. Der Bürostuhl muss zur Person passen
Ein guter Bürostuhl unterstützt den Körper, ohne ihn in einer starren Haltung festzuhalten. Voraussetzung dafür ist, dass er individuell eingestellt wird.
Wichtig sind insbesondere:
Die Füße sollten sicher auf dem Boden stehen, während Ober- und Unterschenkel ungefähr einen rechten Winkel bilden. Die Rückenlehne sollte die natürliche Haltung unterstützen und Bewegungen mitgehen.
Dabei gilt: Ein ergonomischer Stuhl ist nur dann ergonomisch, wenn seine Funktionen bekannt sind und tatsächlich genutzt werden. Eine persönliche Einweisung gehört deshalb für uns zu einer guten Arbeitsplatzlösung dazu.
2. Der Schreibtisch bestimmt die Arbeitshöhe
Stuhl und Tisch müssen gemeinsam betrachtet werden. Ist die Arbeitsfläche zu hoch, werden häufig die Schultern angehoben. Ist sie zu niedrig, entsteht schnell eine nach vorn gebeugte Haltung.
Idealerweise liegen die Unterarme locker auf oder befinden sich etwa auf Höhe der Tischfläche. Schultern und Nacken bleiben dabei entspannt.
Höhenverstellbare Schreibtische bieten einen zusätzlichen Vorteil: Sie ermöglichen den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen. Dabei geht es nicht darum, möglichst lange zu stehen. Auch dauerhaftes Stehen ist keine ideale Lösung. Wertvoll ist der regelmäßige Positionswechsel.
3. Bildschirm, Tastatur und Maus richtig anordnen
Schon kleine Veränderungen können Nacken, Schultern und Hände deutlich entlasten. Der Hauptbildschirm sollte möglichst gerade vor der Person stehen. Seine Höhe und Entfernung müssen ein entspanntes Sehen ermöglichen, ohne dass der Kopf dauerhaft angehoben, abgesenkt oder gedreht wird.
Auch Tastatur und Maus sollten körpernah positioniert sein. Müssen die Arme ständig nach vorn oder zur Seite greifen, steigt die Belastung im Schulter- und Nackenbereich.
Bei mehreren Bildschirmen richtet sich die Anordnung nach der Nutzung: Der überwiegend verwendete Monitor gehört in die zentrale Blickrichtung. Werden beide Bildschirme annähernd gleich häufig genutzt, ist eine symmetrische Aufstellung sinnvoll.
4. Bewegung ist Teil der Ergonomie
Die eine perfekte Sitzhaltung für einen ganzen Arbeitstag gibt es nicht. Selbst eine zunächst günstige Position kann bei zu langer Dauer unangenehm werden.
Deshalb sollte ein ergonomisches Arbeitsplatzkonzept Bewegung fördern:
Die beste Haltung ist häufig die nächste. Gute Büromöbel unterstützen diesen Wechsel, ersetzen ihn aber nicht.
5. Auch der Raum wirkt auf den Körper
Ergonomie endet nicht an der Tischkante. Schlechte Beleuchtung kann zu ungünstigen Kopfhaltungen führen. Lärm und fehlende Privatsphäre erschweren die Konzentration und können die körperliche Anspannung erhöhen. Unpassende Temperaturen oder störende Zugluft beeinflussen das Wohlbefinden ebenfalls.
Auch organisatorische Faktoren spielen eine Rolle. Zeitdruck, häufige Unterbrechungen und fehlende Rückzugsmöglichkeiten lassen sich nicht allein mit einem besseren Stuhl lösen.
Eine ganzheitliche Büroplanung betrachtet deshalb:
Ergonomie ist kein Einzelprodukt, sondern ein Gesamtkonzept
Eine aktuelle Arbeitsplatzuntersuchung unterstreicht die Wechselwirkungen zwischen Büromöbeln, Bildschirmposition, Eingabegeräten, Bewegungsverhalten und psychosozialen Belastungen. Aufgrund der begrenzten Stichprobe lassen sich die dort genannten Häufigkeiten nicht unmittelbar auf deutsche Büros übertragen. Die grundlegende Erkenntnis ist jedoch für die Planung wertvoll: Beschwerden am Büroarbeitsplatz haben meist mehrere Ursachen.
Bei Bürotec betrachten wir deshalb nicht nur den Bürostuhl. Wir planen Arbeitsplätze, an denen Stuhl, Tisch, Technik, Raum und Tätigkeit sinnvoll zusammenpassen – von der Beratung und Einrichtung bis zur fachgerechten Montage.
Bürowelten, die besser arbeiten.
Planung. Einrichtung. Ergonomie. Montage.
[Ergonomischen Arbeitsplatz mit Bürotec planen]
Fachliche Quelle: Mohammadian, M., Mollahoseini, S. und Naghibzadeh-Tahami, A. (2025): „Musculoskeletal disorders among office workers: prevalence, ergonomic risk factors, and their interrelationships“, Scientific Reports.